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Erlacher Höhe fordert erneut Erhöhung der Grundsicherung

In der Corona-Pandemie ist es für einkommensarme Menschen noch schwieriger geworden, mit dem ohnehin knapp bemessenen Geld auszukommen. Der diakonische Träger Erlacher Höhe fordert deshalb eine zumindest vorübergehende Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze.

Großerlach. Angesichts steigender Infektionszahlen und einem möglichen zweiten Stillstand des Landes fordert der diakonische Träger Erlacher Höhe mit Sitz in Großerlach (Rems-Murr-Kreis) erneut eine Erhöhung der Grundsicherung. Bereits Mitte März hatte die Erlacher Höhe zusammen mit der Diakonie Württemberg und weiteren Wohlfahrtsverbänden eine zumindest vorübergehende Anhebung des Regelsatzes um 100 Euro für Erwachsene und 80 Euro für Minderjährige angemahnt.

Belastungen durch Pandemie nicht in Regelsätzen vorgesehen

„Die außergewöhnlichen Belastungen durch eine weltweite Pandemie sind in den Berechnungen der Regelsätze nicht vorgesehen“, sagt Wolfgang Sartorius, Vorstand der Erlacher Höhe. „Völlig zurecht nimmt die Koalition viele Milliarden in die Hand, um die Folgen der Pandemie für Unternehmen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abzumildern. Aber weshalb nicht auch für diejenigen, die vom Existenzminimum leben und am meisten der Unterstützung und Solidarität bedürfen?“

Einkommensarme Menschen werden von den Folgen der Pandemie besonders hart getroffen. Die gestiegenen Preise für frische Lebensmittel, Masken und Hygieneprodukte reißen tiefe Löcher in die ohnehin schmalen Geldbeutel von Hartz-IV-Bezieherinnen und -Beziehern. Zugleich entfallen günstige Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten, da Sozialkaufhäuser, Tafelläden und Mittagstische vor allem in der ersten Phase der Krise schließen mussten. „Beides zusammen führt bei vielen einkommensarmen Menschen dazu, dass das Geld hinten und vorne nicht reicht“, so Sartorius. „Leider hat die Politik trotz intensiver Forderungen darauf nicht reagiert, das heißt abgesehen von Familien mit Kindern, die jetzt im Herbst Einmalzahlungen bekommen, haben Arme keinerlei finanzielle Zuschläge in der Krise erhalten.“

Kein Geld für dringend benötigten Laptop oder Smartphone

Auch die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche, die durch Corona beschleunigt wird, stellt Menschen im Grundsicherungsbezug vor große Probleme: Denn ohne Laptop oder Smartphone können Kinder aus einkommensarmen Familien nicht am digitalen Schulunterricht teilnehmen, selbst ein Termin beim Arzt oder im Schwimmbad ist häufig nur noch mit einer Online-Voranmeldung möglich. „Es muss sichergestellt werden, dass allen Kindern und Jugendlichen digitale Teilhabe ermöglicht wird, ohne Wenn und Aber“, sagt Sartorius.

Die vom Bundeskabinett für das Jahr 2021 beschlossene Erhöhung des Hartz-IV-Satzes hält Sartorius angesichts der Lebenssituation einkommensarmer Menschen für lebensfremd. 14 Euro mehr im Monat erhält ein Erwachsener, der allein lebt, ab dem 1. Januar 2021. Dies entspricht einer Anhebung von 432 auf 446 Euro. „Das reicht hinten und vorne nicht, um angesichts der aktuellen Situation auf bescheidenem Niveau leben zu können“, stellt Sartorius klar. Die Politik sei angesichts des Infektionsgeschehens gefordert, jetzt die Regelsätze zumindest vorübergehend so anzuheben, „dass einkommensarme Menschen, die durch die Corona-Pandemie verursachten Mehrkosten stemmen können und nicht zusätzlich benachteiligt und abgehängt werden.“

Pressespiegel

Haller Tagblatt
Damit arme Menschen nicht unter die Räder geraten

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