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Sommerpressegespräche 2026 zur Sozialstaatsdebatte

Ein Bücherregal mit Sozialgesetzbüchern.
Das Sozialgesetzbuch (SGB) ist das zentrale Gesetzbuch für das deutsche Sozialrecht. Es regelt die soziale Sicherheit, den Schutz der Bürger und staatliche Hilfe.

Ob Rente, Pflege, Bildung, Kinder, Bürgergeld oder Wohnen: Der Sozialstaat in Deutschland spielt für fast jeden Menschen in bestimmten Lebensphasen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig steht er zunehmend in der Kritik.

Angesichts des demographischen Wandels und mit Blick auf die Generationengerechtigkeit liegt es auf der Hand, dass der Sozialstaat modernisiert werden muss. Notwendige Reformen dürfen jedoch nicht zu Lasten der Menschen gehen, die ohnehin vom Leben gebeutelt sind. Dazu gehören zweifellos wohnungslose Menschen.

Es gibt realistische Möglichkeiten zu sparen, ohne bei den Menschen zu sparen. Ein bislang zu wenig genutztes Potenzial liegt im Abbau von Bürokratie: uneinheitliche Verfahren bei Kostenträgern, mehrfach zu erfassende Daten, fehlende digitale Lösungen sowie hohe Abstimmungs- und Verwaltungsaufwände binden finanzielle Mittel. Hier könnte angesetzt werden, bevor Leistungen für Menschen in sozialen Notlagen gekürzt werden.

Gleichzeitig fällt auf, dass sehr vermögende Menschen in der bisherigen Debatte weitgehend außen vor bleiben. Auch das Problem der Steuerhinterziehung wird nur unzureichend berücksichtigt. Schätzungen zufolge beläuft sich der dadurch entstehende Schaden auf mehr als 100 Milliarden Euro jährlich.

Im Rahmen der aktuellen Debatte haben wir an drei Standorten Pressegespräche geführt:

Pressegespräch im Aufnahmehaus Karla in Backnang am 5. August

„Vermittlung statt nachhaltiger Perspektive? Ein Kurswechsel mit Folgen“

Mit der Neuen Grundsicherung gilt seit dem 1. Juli 2026 erneut der Vermittlungsvorrang: Arbeitsaufnahme hat wieder Vorrang vor Qualifizierung. Doch welche Folgen hat dieser Kurswechsel für Menschen, die neben Arbeitslosigkeit mit vielfältigen persönlichen und sozialen Herausforderungen leben – und für uns als Gesellschaft?

Im sozialpolitischen Pressegespräch beleuchten wir die Auswirkungen der gesetzlichen Änderungen. Eine Betroffene gab dabei persönliche Einblicke in ihren Alltag und schilderte, welche Chancen und Hürden sie erlebt.

Pressespiegel

Zeitungsverlag Waiblingen (ZVW+)
Schon lange arbeitslos: Einen der Gründe haben die wenigsten auf dem Schirm

Backnanger Kreiszeitung (BKZ+)
Langzeitarbeitslos: Der lange Weg zurück ins Berufsleben

Pressegespräch im Aufnahmeheim Calw am 11. August

„Familie wohnungslos nach Brand – Warum Menschen mit Einschränkungen trotz Sozialstaatsdebatten Chancen brauchen“

Seit eineinhalb Jahren ist Familie K. wohnungslos. Nach einem Brand durch einen technischen Defekt einer Lüftungsanlage stand sie von heute auf morgen auf der Straße. Der Vermieter suchte sich nach Sanierung der Wohnung neue Mieter.

Der Vater ist gehbehindert und pflegebedürftig, lebt von Erwerbsminderungsrente. Der Sohn hatte durch einen Behandlungsfehler einen schweren Start ins Leben und ist auf besondere Förderung angewiesen. Trotz der Pflege und Versorgung von Mann und Kind arbeitete die Mutter bis vor Kurzem, ehe ihr Arbeitgeber Insolvenz anmeldete und ihr kündigte. Je nach Lage der Wohnung würde der Sozialleistungsträger nicht einmal 500 Euro Kaltmiete für einen Dreipersonenhaushalt übernehmen. Die Familie wurde nach dem Brand zunächst in einer Pension untergebracht, als dies nicht mehr möglich war, blieb nur der Umzug auf einen Campingplatz.

Die Debatten, was und wie viel unser Sozialstaat einsparen sollte, gehen seit Monaten durch die Medien. Sie gehen an der Not und Verzweiflung von Menschen wie der Familie K. vorbei und hinterlassen die Frage: Wie viel würden wir als Gesellschaft gewinnen, wenn wir ihnen durch einen starken Sozialstaat und ein starkes Gemeinwesen Chancen geben würden? Auf Wohnraum, auf eine gute gesundheitliche Versorgung und auf einen Arbeitsplatz trotz Pflege von Angehörigen?

Pressegespräch im Aufnahmeheim Freudenstadt am 12. August

„Mehr als Fordern und Sanktionieren: Warum nachhaltige Integration Unterstützung braucht“

Herr S. lebte viele Jahre in einer Obdachlosenunterkunft. Isolation und fehlende Perspektiven bestimmten seinen Alltag. Heute lebt er in einer eigenen Wohnung der Erlacher Höhe und hat sich ein neues Fundament für sein Leben aufgebaut. Im Herbst beginnt er eine Ausbildung in einem unserer Sozialkaufhäuser.

Am Beispiel von Herrn S. zeigen wir, dass viele Menschen im Leistungsbezug keineswegs „nicht arbeiten wollen“. Vielmehr stehen sie häufig vor komplexen persönlichen, gesundheitlichen oder sozialen Herausforderungen, die den Zugang zum Arbeitsmarkt erschweren. Unsere Erfahrungen verdeutlichen, wie aufsuchende Sozialarbeit, Vertrauen und individuelle Begleitung Menschen aus langjähriger Perspektivlosigkeit herausführen können – bis hin zu eigenständigem Wohnen und beruflicher Teilhabe.

Weitere Neuigkeiten

Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts stehen mit bunten Luftballons und Wimpeln auf einem Pflasterweg. Im Hintergrund sind ein Gebäude mit blauer Treppe und Bäume zu sehen.

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