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Fachstelle zur Wohnungssicherung in Schorndorf muss schließen

Zum Bedauern der Erlacher Höhe muss das Präventionsprojekt seine Arbeit beenden. Trotz Erfolgs sehen Stadt und Landkreis keine Möglichkeit der Anschlussfinanzierung. Erlacher Höhe Vorstand Sartorius warnt: Folgekosten von Wohnungslosigkeit höher als Kosten für Prävention.

Schorndorf/Großerlach. Nach vier Jahren erfolgreicher Arbeit steht die Fachstelle zur Wohnungssicherung der Erlacher Höhe in Schorndorf vor dem Aus. Das von der Aktion Mensch geförderte Modellprojekt muss Ende August seine Arbeit einstellen. Grund ist die fehlende Anschlussfinanzierung durch Kommune und Landkreis.

Prävention statt Wohnungsverlust

Die Fachstelle richtet sich an Menschen, deren Wohnraum akut gefährdet ist, setzt also konsequent auf Prävention, um Kündigungen, Räumungsklagen und damit Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu vermeiden. „Durch die Moderatorenfunktion der Fachstelle zwischen unterschiedlichen Parteien wie Mietern und Vermietern, Mietern und Behörden sowie zwischen Mietern untereinander konnte in zahlreichen Fällen eine Räumungsklage und damit viel menschliches Leid verhindert werden“, erklärt Michael Belz, zuständiger Abteilungsleiter der Erlacher Höhe.

Die Fachstelle ist in das Hilfesystem der Wohnungsnotfallhilfen der Erlacher Höhe im Remstal eingebunden. Dazu gehören unter anderem das Ambulant Betreute Wohnen, die Fachberatung für aktuell wohnungslose Menschen sowie aufsuchende Hilfen in kommunalen Obdachlosenunterkünften. Darüber hinaus bestehen enge Netzwerke mit Anwälten, Schuldnerberatung, Sucht- und Lebensberatung sowie regionalen Wohnungsbaugesellschaften. Auch die Zusammenarbeit mit der Justiz, insbesondere mit den Amtsgerichten im Landkreis, spielt eine wichtige Rolle: Dort können Menschen gezielt auf das Beratungsangebot hingewiesen werden.

135 Haushalte vor Wohnungslosigkeit bewahrt

„Auf dieser breiten Basis bieten wir Mieterinnen und Mietern Beratung und Begleitung in allen Fragen rund um die Sicherung von Wohnraum – von der Beantragung einer Mietschulden-übernahme bis hin zur Veranlassung der Direktzahlung der Miete durch den Sozialhilfeträger an Vermietende“, führt Belz aus. „Bei 44 Prozent der abgeschlossenen Fälle, das entspricht 135 Haushalten, konnte der vorhandene Wohnraum gesichert oder neuer Wohnraum erschlossen werden“, so Belz.

„Die erfolgreiche Arbeit der Fachstelle zur Wohnungssicherung steht nun leider vor dem Aus“, bedauert Erlacher Höhe Vorstand Wolfgang Sartorius. „Nach einer überwiegend von der Aktion Mensch geförderten Modellphase konnte leider keine Lösung für eine Anschlussfinanzierung gefunden werden“, erklärt Sartorius. Modellvorhaben sind bei einer Förderung durch die Aktion

Mensch von Anfang an so angelegt, dass nach der Förderphase die betreffende Kommune die Finanzierung übernimmt. Dies war bereits vor Projektbeginn mit der Stadt Schorndorf besprochen worden. Dass sich die Finanzlage inzwischen verschlechtern würde, konnte damals nicht abgesehen werden.

„Der Landkreis schätzt die Arbeit der Fachstelle, lehnt aber die Weiterfinanzierung aufgrund der Haushaltslage ab. Ebenso haben wir vom Schorndorfer Oberbürgermeister eine Absage aufgrund knapper Finanzen erhalten. Beides bedauern wir sehr“, so Sartorius. Ohne öffentliche Förderung sehe man keine Möglichkeit, die Fachstelle fortzuführen. „Wir verstehen die aktuell schwierige finanzielle Situation von Stadt und Landkreis. Im Interesse der Menschen, die von Wohnungsverlust bedroht sind, ist es jedoch sehr bedauerlich, dass dieses innovative Projekt beendet werden muss.“

Die Schließung werde langfristig an anderer Stelle zu erheblichen Mehrkosten führen. Denn wer erst einmal seine Wohnung verliert, hat einen unabweisbaren Rechtsanspruch auf Unterstützung durch den Landkreis. „Die Folgekosten von Wohnungslosigkeit sind um ein Vielfaches höher als die Ausgaben für die Prävention. Überhaupt nicht bezifferbar ist das menschliche Leid, das mit dem Verlust der Wohnung einhergeht“, betont Sartorius.

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