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Ein Blick hinter die Kulissen im Pflegeheim: Sylviane Mulfinger im Interview

Ein Blick hinter die Kulissen: In einer Interviewreihe möchten wir Mitarbeitende der Erlacher Höhe zu unterschiedlichen Themen erzählen lassen. Den Anfang macht Sylviane Mulfinger, sie ist Pflegedienstleiterin des Pflegeheims in Erlach.
Eine Frau mit blonden glatten Haaren lächelt in die Kamera. Sie trägt ein dunkles Oberteil und darüber eine weiße Strickjacke. Im Hintergrund ist ein Rosenstock zu sehen.
Sylviane Mulfinger, Pflegedienstleiterin des Pflegeheims in Erlach.

Für den “ersten Blick hinter die Kulissen” haben wir uns über die Situation in der Pflege während der Krise, über das Verständnis der Bewohner und Bewohnerinnen und über ein hohes Maß an notwendigem Ideenreichtum unterhalten.

Frau Mulfinger, die Corona Krise stellt derzeit das Leben auf den Kopf, auch im Pflegebereich. Insbesondere im Pflegeheim der Erlacher Höhe, in dem fast ausschließlich vulnerable Menschen leben. Welche Veränderungen gab es (bedingt durch Corona) und wie haben Veränderungen und Maßnahmen die Arbeitsweisen und Tätigkeiten im Pflegeheim beeinflusst?

Die ersten Veränderungen kamen mit der Erkenntnis, dass das Coronavirus auch in unserem kleinen Pflegeheim der Erlacher Höhe zum Problem werden könnte. Plötzlich hatten wir im Team das Bewusstsein, dass eine Infektion jederzeit einschlagen könnte. Schnell musste Schutzmaterial für Mitarbeitende und Bewohner beschafft werden und dabei stellten wir schnell fest, dass es einen Versorgungsengpass gab. Damit kam die Angst um die Bewohner und um uns selbst. Zum Glück hatten wir zu Beginn der Pandemie keine Mitarbeitenden oder Bewohnerinnen und Bewohner mit Symptomen und mussten nicht allzu lange warten, bis die ersten Lieferungen mit Schutzausrüstung ankamen.

Die nächste Veränderung war, dass die Corona-Maßnahmen sofort höchste Priorität erlangten. Andere, bis dahin wichtige Dinge wie Facharztbesuche, Visiten, Dokumentation, Fachkraftquote oder indikatorengestützte Qualitätsprüfungen verliefen auf einmal anders, zum Beispiel telefonisch, waren nicht mehr so relevant oder wurden einfach in die Zukunft verschoben. Dies erforderte eine rasche Umstrukturierung der Abläufe, ein Umdenken und auch Kreativität.

Inwiefern hat sich die Arbeit für das Personal durch Auflagen und Maßnahmen verkompliziert?

In der Zeit, wo viele Menschen in Home-Office, Kurzarbeit oder Quarantäne geschickt wurden, hatten wir im Pflegeheim das angenehme Gefühl, richtig gebraucht zu werden und systemrelevant zu sein. Aber es kam auch die Angst, zu erkranken oder unsere Familien oder Bewohner und Bewohnerinnen zu infizieren. Einige Mitarbeitende hatten in ihrer Nähe Covid-19-Erkrankte oder sensible Familienmitglieder und mussten entscheiden, ob sie zum Dienst kommen oder lieber daheim bleiben sollten. Die Auflagen der Regierung ändern sich fortlaufend. Schlagartig kam täglich eine bedeutende Aufgabe dazu: sich permanent Informationen zu neuen Maßnahmen zu beschaffen, deren Umsetzung zu organisieren und zu kommunizieren. Die Schutz- und Hygienemaßnahmen bereiteten anfangs keine Probleme; sie wurden ernst genommen. Alle waren erleichtert, sich schützen zu können, vor allem als ein Bewohner an Covid-19 erkrankte.

Nun ist es extrem anstrengend mit einer FFP2-Maske zu pflegen, zum Beispiel einen Bewohner zu duschen oder im Bett zu versorgen, Treppen hoch- und herunterlaufen, sprechen und verstanden werden. Die Mitarbeitenden bekommen zu wenig Sauerstoff und werden schnell müde.

Schwer ist auch, den Abstand zu halten bei der Übergabe oder bei der Pause im Dienstzimmer. Insbesondere dann, wenn man keinen Grund dafür sieht, weil alle Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen, Bewohner und Bewohnerinnen negativ getestet wurden. Wir müssen uns ständig motivieren, die Hygienemaßnahmen weiter streng zu beachten. Aber wir sind herzlich dankbar, dass Mitarbeitende die Krisenzeit bisher mit großem Verständnis, viel Engagement, Verantwortungsbereitschaft, aber auch höchster Flexibilität mitgetragen haben und das obwohl das Lohnniveau in der Pflege mehr als zu wünschen übrig lässt.

Es wurden vom Land zeitweilig Besuch- und Ausgangsperren verhängt. Wie sind die Bewohner und Bewohnerinnen mit der Situation zurechtgekommen?

Bis auf wenige Ausnahmen haben die Bewohner und Bewohnerinnen die Ausgangsperre verstanden und akzeptiert. Viele von ihnen verlassen die Einrichtung eher selten, manche haben die Ausgangsperre nicht wirklich wahrgenommen und fühlten sich dadurch nicht besonders eingeengt. Auch das Tragen von Schutzmasken bei Arztbesuchen hat sie wenig beeinträchtigt. Zwei Heimbewohner, die gerne selbständig einkaufen fahren, waren natürlich sehr erleichtert, als sie erfuhren, dass sie das Pflegeheim wieder verlassen dürfen. Für einige hatte das Besuchsverbot traurige Auswirkungen: sie konnten lange Zeit ihre Angehörige nicht empfangen und fielen zeitweise in eine depressive Stimmung. Auch die abwechslungsreichen Besuche wie Physiotherapie, Frisör, Fußpflege und Arztvisiten fanden nicht mehr statt. Dadurch wirkte das Pflegeheim etwas verlassen.

Was ist für Sie als Leitung im Management die größte Herausforderung während der Corona-Krise?

Die Personalplanung geriet wegen Quarantäne oder durch sonstige Ausfälle durcheinander und erforderte dauernde Anpassungen. Neben meinen üblichen Aufgaben musste ich auch öfter in der Pflege einspringen. Um die Stimmung im Kollegium auf einem guten Level zu halten, waren Einfallsreichtum, Ausdauer und Energie gefragt. Für die Koordination der Vorgehensweise mit anderen Bereichen waren viele zusätzliche Besprechungen und Maßnahmen erforderlich. Eine weitere Herausforderung ist und bleibt weiterhin, nicht locker zu lassen mit dem Wissen, dass eine zweite Welle nicht ausgeschlossen ist.

Im Pflegeheim der Erlacher Höhe finden pflegebedürftige Menschen mit allen Pflegegraden einen Platz. Willkommen sind dort auch Menschen, bei denen - analog §§ 67 ff SGB XII - besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind und deren Leben infolgedessen durch soziale Isolation und Ausgrenzung gekennzeichnet ist. Dabei ist das Ziel, den persönlichen Bedürfnissen der Bewohner und Bewohnerinnen in größtmöglichem Umfang gerecht zu werden. Dies wird insbesondere über die biografisch orientierte Tagesstrukturierung und den Aufbau und die Gestaltung persönlicher Beziehungen zu den dort lebenden Menschen erreicht.

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